Jugendarbeitsschutz

Gerade junge Menschen benötigen besonderen Schutz bei der Arbeit. Sie stehen noch in der Entwicklung und sind den Anforderungen der Arbeitswelt der Erwachsenen noch nicht gewachsen. Überforderungen und Schädigungen wirken sich auf sie besonders nachteilig aus.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Kinderarbeitsschutzverordnung schaffen die rechtlichen Voraussetzungen, um Kinder und Jugendliche vor Überforderung, Überbeanspruchung und deren Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen. Junge Menschen haben noch ein ganzes Arbeitsleben vor sich.

Oberstes Ziel eines modernen Arbeitsschutzes ist es daher, sie durch vorbeugende Maßnahmen bereits in den Anfängen vor übermäßigen Belastungen einer sich stets wandelnden Arbeitswelt zu schützen und ihre Gesundheit zu erhalten und zu fördern.
Das ist auch im Interesse der Unternehmen, der Beschäftigten und der Gesellschaft notwendig.

Die Beschäftigung von Kindern ist in der Bundesrepublik Deutschland grundsätzlich verboten. Lediglich Kinder über 13 Jahre dürfen an 2 Stunden (in landwirtschaftlichen Familienbetrieben bis zu 3 Stunden) an 5 Tagen in der Woche mit leichten und für sie geeigneten Tätigkeiten beschäftigt werden.

Untersuchungen

Für Jugendliche, die in das Berufsleben eintreten und noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben, ist eine ärztliche Untersuchung und Beratung (Jugendarbeitsschutzuntersuchung) vorgeschrieben. Die Beschäftigung von Jugendlichen ist nur zulässig, wenn eine Bescheinigung über diese Untersuchung, die nicht länger als 14 Monate zurückliegt, vorgelegt wird. Daraus muss hervorgehen, dass keine Einschränkungen für die Aufnahme der Arbeitstätigkeit des Jugendlichen festgestellt wurden.

Beim Arzt findet im Anschluss an eine Befragung über Vorerkrankungen und Risikofaktoren eine gründliche körperliche Untersuchung statt (mit Sehtest, Hörtest und vielem mehr). So können gesundheitliche Probleme und Risiken erkannt werden. Anschließend erfolgt eine Beratung über die individuellen gesundheitlichen Risiken besonders in Bezug auf den beabsichtigten Beruf.

Eine Ausnahme gilt nur für geringfügige oder nicht länger als zwei Monate dauernde Beschäftigungen mit leichten Arbeiten, von denen keine gesundheitlichen Nachteile für die Jugendlichen zu befürchten sind. Ein Jahr nach Aufnahme der ersten Tätigkeit hat sich der Arbeitgeber die Bescheinigung eines Arztes über eine Nachuntersuchung vorlegen zu lassen. Ohne die Vorlage dieser Bescheinigung dürfen Jugendliche nach Ablauf von 14 Monaten nach Aufnahme der ersten Beschäftigung nicht weiterbeschäftigt werden.

Informationen für Jugendliche

Die Jugendarbeitsschutzuntersuchung selbst ist kostenfrei, im Zusammenhang mit der Untersuchung entstehende Fahrtkosten oder sonstige Auslagen werden jedoch nicht vergütet. 

Zur Durchführung der Untersuchung benötigen Jugendliche einen Berechtigungsschein. Diesen erhalten sie bei der Meldestelle der Kommune, in der sie mit erstem Wohnsitz gemeldet sind. Zur Beantragung ist ein Ausweisdokument (Personalausweis/Reisepass) erforderlich.
Der Schein muss dem Arzt vor der Untersuchung ausgehändigt werden. Bei Verlust des Scheines ist die Ausgabe eines neuen Scheines zu beantragen.

Die Erstuntersuchung darf nicht länger als 14 Monate vor Aufnahme der Beschäftigung erfolgt sein. Spätestens 14 Monate nach Aufnahme der Beschäftigung muss der Jugendliche eine ärztliche Bescheinigung darüber vorlegen, dass er nachuntersucht worden ist. Liegt diese Bescheinigung nicht rechtzeitig vor, tritt ein Beschäftigungsverbot ein.

Für die Durchführung der ärztlichen Untersuchungen hat der Arbeitgeber die erforderliche Freizeit zu gewähren. Ein Entgeltausfall darf hierdurch nicht eintreten.

Eine Zusammenfassung dieser Hinweise in kurzer Form enthält das Informationsblatt aus dem Download-Bereich.

Für die Untersuchungen benötigte Formulare:

  • Erstuntersuchung: Erhebungsbogen (Anlage 1)
  • Nachuntersuchung: Erhebungsbogen (Rot Anlage 1a)

Informationen für Ärzte

Nach erfolgter Untersuchung legt der Arzt Überweisungs- und Untersuchungsberechtigungsscheine vierteljährlich zur Abrechnung dem Regierungspräsidium Darmstadt vor. Die Erstattung der Kosten erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Hessen.

Weitere Informationen zu den Abrechnungsmodalitäten finden Sie in dem Hinweisblatt im Bereich Downloads. Dort finden Sie auch die für die Untersuchung benötigten Formulare.

Hinweis

Nur bei Jugendlichen mit Wohnsitz in Hessen trägt das Land Hessen die Kosten für die ärztlichen Untersuchungen der Jugendlichen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz.

Ansprechpartner für darüber hinausgehende Fragen ist das Regierungspräsidium Darmstadt. Auf den dortigen Internetseiten finden Sie Kontaktadressen, alle Formulare und Wichtiges zu den Jugendarbeitsschutzuntersuchungen.

Schülerbetriebspraktikum

Das Praktikum dauert in der Regel zwischen zwei und vier Wochen und findet, abhängig von der Schulform, zwischen der 8. und 11. Klassenstufe statt. Das Schülerbetriebspraktikum ist eine schulische Pflichtveranstaltung. Schüler, die aus besonderen Gründen nicht am Betriebspraktikum teilnehmen, werden während dieser Zeit in einer anderen Klasse unterrichtet.

Für die Wahl des Praktikumsplatzes sind die Schüler selbst verantwortlich. Nach Möglichkeit sollten sie rechtzeitig nach einem ihren Interessen entsprechenden Arbeitgeber suchen. So eröffnet sich die Chance, nicht nur einen allgemeinen Einblick in das Beruf- und Arbeitsleben zu bekommen, sondern auch zu prüfen, ob der bisher gewünschte Traumberuf tatsächlich passt. Nicht selten führen die praktischen Erfahrungen und Erlebnisse in einem Betrieb dazu, die bisherigen Vorstellungen in einem ganz neuen Licht zu sehen.

Das Absolvieren eines solchen Praktikums findet nicht in einem rechtsfreien Raum statt. Zahlreiche Vorschriften des Jugendschutzes und des Jugendarbeitsschutzes helfen, die Gesundheit der jungen Menschen nicht zu gefährden. Deshalb gehören auch nur leichten und geeigneten Tätigkeiten dazu. Auch die höchstzulässige, tägliche Arbeitszeit ist begrenzt. Ein Vergütungsanspruch besteht nicht.

Ferien- und Freizeitjobs

Während der Schulferien dürfen Jugendliche die schon 15 Jahre alt sind, aber noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen (in Hessen Beendigung der 9. Klasse), für höchstens 4 Wochen im Kalenderjahr arbeiten. Die Arbeitszeit darf nicht mehr als 8 Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich betragen.

Freizeittätigkeiten

Kinder ab 13 Jahre dürfen leichte Freizeitjobs annehmen, z.B. in privaten und landwirtschaftlichen Haushalten, Tätigkeiten im Garten, Babysitting, Nachhilfeunterricht, Zeitungen, Zeitschriften, Werbematerial und Anzeigeblätter austragen (höchstens 2 Stunden täglich, in der Landwirtschaft 3 Stunden).

Mitwirkung in der Medienbranche und im Theater

Die Mitwirkung von Kindern und vollzeitschulpflichtigen Jugendlichen bei Theatervorstellungen, Musikaufführungen oder bei Film- und Fotoaufnahmen ist nur im eingeschränkten Rahmen möglich.

Die Regierungspräsidien können auf Antrag bewilligen, dass Kinder bei Theatervorstellungen, bei Musik- und anderen Aufführungen, bei Werbeveranstaltungen, bei Aufnahmen im Hörfunk und Fernsehen sowie bei Film- und Fotoaufnahmen gestaltend mitwirken oder an den Proben teilnehmen. Sie sind gleichzeitig Genehmigungsbehörde für Ausnahmen nach § 6 Jugendarbeitsschutzgesetz.

Aufsichtsbehörden

Die Regierungspräsidien überwachen den Arbeitsschutz für Kinder und Jugendliche.

Sie sind auch Genehmigungsbehörde für Ausnahmen nach § 6 Jugendarbeitsschutzgesetz. Kinder und vollzeitschulpflichtige Jugendliche dürfen im eingeschränkten Rahmen und unter der Voraussetzung der Einzelfallgenehmigung der Aufsichtsbehörde im Medienbereich beschäftigt werden.

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